Plaudern aus dem Paartherapie-Kästchen – Statt eines Tagebuches


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Mich beschäftigen die Geschichten der Paare sehr und so habe ich mal begonnen, einige Gedanken zu meinem Alltag als Paartherapeutin auf meiner Facebook-Fanseite zu veröffentlichen. Hier ein paar Ausszüge:

Krisenpaare profitieren enorm von der Streit-Skizze. Wenn jedoch ein sehr weit entwickeltes Paar, das achtsam miteinander umgeht, eine konflikthafte Situation durch Strichmännchen darstellt, wird der Zauber dieser Methode erst deutlich. Ella und Jakob saßen in ein ruhiges Gespräch vertieft über ihrem Zeichenblock. Nachdem sie mir die Skizze zeigten, sah ich ein besonnenes Paar, welches Rücksicht auf die Verletzungen des anderen nahm. „Was ist nun die Krise zwischen Ihnen beiden“, fragte ich ratlos.
„Oh, diese Auseinandersetzung ging uns sehr lange nach,“ seufzte Ella.
„Auf mich wirkt es so, als gingen Sie auf der Paarebene wunderbar miteinander um. Dann könnte es sein, dass hier Wunden aus der Kindheit angestoßen wurden.“ Ella legte eine Hand auf ihren Mund, richtete ihren Blick nach oben und begann zu weinen. „Jakob beruhigt mich z u sehr. Ich habe meine Mutter immer wieder gefragt, ob ich wirklich ihr leibliches Kind bin. Sie hat jede Sorge weggetröstet, ist aber niemals auf meine Frage eingegangen. Später fand ich dann den Beweis, dass mein Vater nicht mein echter Vater war. Das war soooo furchtbar!“ Ella rieb sich mit zitternden Händen die Augen.
Jakob legte eine Hand auf Ellas Bein und kämpfte ebenfalls mit den Tränen.
„Meine Mutter hat ihre Mutter ganz früh verloren. Ich habe sie ständig getröstet.“
Jakob und Ella malten die betreffenden Trigger-Bilder aus ihren Kindheiten auf das Blatt, nachdem ich diese Variante vorgeschlagen hatte.
„Meine Güte, wie tief das geht,“ lachte Ella weinend und Jakob umarmte seine tief ergriffene Frau.


Ein Klient fragte mich heute, wieso der Mann bei der haltgebenden Umarmung aktiv werden soll. Warum nicht die Frau? Das wären doch sehr tradierte Rollenbilder.
Ich sah seine schöne Frau an und scherzte: „Das ist eine sehr feministische Übung. Frauen genießen das sehr.“ Sie lachte bestätigend.
Ich erklärte es ihm:
Das weibliche Prinzip ist wie die nährende Erde. Wenn der Mann etwas ernten möchte, dann muss er zuvor sähen, wässern, pflegen und schützen. Eine Frau ist wie die Erde. Sie gibt von sich heraus in Hülle und Fülle. Wird sie vernachlässigt, gedeihen Unkraut und giftige Pflanzen. Oft will ein Mann sich nehmen, ohne das weibliche Prinzip zu achten.
Die Idee mit der haltgebenden Umarmung ist folgende:
Der Mann umarmt die Frau jeden Tag von sich heraus. Sie muss nicht darum bitten. Er nimmt sie in den Arm, sodass die Frau sich an ihn anlehnen kann. Der Mann kuschelt sich nicht in die Frau hinein und umfasst auch nicht ihren Po oder sucht selber Halt. ER gibt ihr Halt. Er selbst ist ein Baum und seine Wurzeln erden tief.
Wenn die Frau sich löst, bedeutet das ganz oft „Ich will Dir nicht zur Last fallen.“
Deswegen nimmt der Mann die Frau nocheinmal zu sich her. Wenn die Frau sich zum zweiten Mal löst, dann gibt er die Frau frei.
Der Mann beginnt die Umarmung und die Frau beendet sie. Viele Frauen weinen. Das ist in Ordnung. Wenn die Frau redet oder gar Vorwürfe macht, kann er sie bitten, ins Spüren zu gehen.
Für die Männer ist dies eine wundervolle Erfahrung. Die Frauen sind nach 14 Tagen wie ausgewechselt. Aber es wäre besser, es immer zu tun, auch wenn 14 Tage schon ein guter Test sind.
Hier gibt es Kurse dazu:
https://elopage.com/s/Aufwind-Institut?pid=3067&prid=825


So etwas habe ich noch nie erlebt. Beide stehen vor den Ruinen ihres Beziehungshauses und keiner will das Haus wieder bewohnbar gestalten. „Ich habe ja nichts falsch gemacht.“ In dem Punkt gibt es eine hohe Übereinstimmung bei beiden.
Es will auch keiner die Partnerschaft verlassen. Ich erkläre, dass wir gerne noch ein wenig Zeit und Geld mit Paartherapie verplempern können.
Da bin ich angerückt mit neuer Farbe, Pinseln und Eimern. Keiner tut irgendetwas.
„Was sollen wir denn jetzt tun?“ Fragen beide unisono.
„Den Pinsel aufheben und die Wand neu streichen?“
„Aber ich habe die Wand nicht schmutzig gemacht.“ Dies meint der Mann. Die Frau wird sofort böse: „Oh doch.“
Ich drücke der Frau den Pinsel in die Hand. Sie lässt ihn fallen. „Aber ich kann doch auch nichts für die versaute Wand = Beziehung!“
„Sie sind die Fachfrau, was sollen wir tun?“
„Die Wand streichen? Soll ICH Ihre Beziehung renovieren?“
„Renovieren Sie bitte meinen Mann.“
Er: „Ich bin schon perfekt.“


Viele Klienten von mir wurden als Säugling nicht zum Trost auf den Arm genommen. Diese Kinder schrieen sich die Seele aus dem Leib. Irgendwann war die Hoffnung verschwunden, jemals Zuwendung zu bekommen. Daraus werden dann scheinbar selbstlose Beziehungspartner, die vermitteln, schon alleine zurecht zu kommen.
Eine Klientin litt an schlimmen Depressionen. Ihr Mann ließ sie dann stets respektvoll in Ruhe. Die Partnerschaft wurde immer distanzierter, die Frau depressiver, der Sex verabschiedete sich. Ich schlug dem Mann vor, die Frau in den Arm zu nehmen, sich zu ihr ans Bett zu setzen, ihre Hand zu halten. Wir übten das im Therapieraum. Die Frau konnte sich nicht berühren lassen. Also schlug ich vor, dass sie sich auf den Boden setzt und ihr Mann sich bei ihr ablehnt. Das war ihr möglich. Kaum umschlossen ihre Arme den Mann, schrie sie auf vor seelischer Qual. Doch der Bann war gebrochen. Das Paar näherte sich wieder an, die Depression verschwand.

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