Trennung & Scheidung: Ich war im Radio SWR 1


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Trennungen und Ehe-Scheidung sind schwerwiegende Ereignissen im Leben. Fast 170.000 Ehen sind im vergangenen Jahr in Deutschland geschieden worden. Bei SWR1 zu Besuch war Paar-, Sexual- und Traumatherapeutin Dr. Katharina Klees aus Dannstadt-Schauernheim in der Pfalz. Sie führt das "Aufwind-Institut" und hat schon viele Paaren unterstützt.

Die Paare kommen zu Ihnen, um Ihre Ehe zu retten, wollen das wirklich immer beide?

Normalerweise wollen das beide. Es ist selten, das einer kommt und sagt, ich möchte mich trennen.

Welches sind denn die häufigsten Konflikte in der Partnerschaft?

Die meisten Paare kommen, weil sie zu viel streiten, weil der Streit nicht mehr aufhört, weil es immer schlimmer wird und weil es überhaupt nicht mehr weiter geht oder weil sie gar nicht mehr miteinander sprechen können.

Sehen Sie auf den ersten Blick, ob eine Ehe noch zu retten ist?

Nein! Ich gebe den Paaren eine Chance. Das merke ich erst mit der Zeit. Es gibt eine spezielle Situation, wenn einer von beiden sich geöffnet hat, d.h. im Schutz meines Daseins, und der andere keine Gefühle zeigt. Wenn man da nicht mehr mit Gefühl reagiert – und ich bin empathisch dabei – und der Partner guckt in die hinterste Ecke des Zimmers, dann denke ich: Oh Gott, das ist vielleicht schon alles vorbei. Aber das ist nicht so oft.

Hörerfrage: Ich bin seit fast zwei Jahren mit meinem Mann verheiratet und er ist ein notorischer Lügner. Stellenweise ist es so extrem, das ich verzweifle und eine Trennung vermute. Das will ich aber eigentlich nicht. Haben wir eine Chance oder ist das unrealistisch, was ich mir erhoffe?

Es ist nicht so leicht darauf zu antworten. Ich würde vorschlagen, dass sich diese Frau fachkundige Hilfe sucht. Wenn der Mann ein Beziehungsmuster hat zu lügen, dann ist es nicht verkehrt, sich jemand zu holen, der das Thema mit dem Paar aufbricht. Ich denke, es ist ein Beziehungsthema, was er schon aus der Kindheit mitbringt. Die beiden sind ja noch nicht so lange verheiratet – da wäre es gut, recht früh an das Thema ranzugehen.

Bringt eine Paartherapie was, wenn nur einer hingeht?

Ja (lacht) – ich mache auch Paartherapie für das halbe Paar.

Wie muss man sich so eine Paartherapie vorstellen?

Normalerweise kommen die Leute für eine erste Information. Dann überlegen wir, was das Richtige ist. Sie müssen mich ja auch kennenlernen, ob ich ihnen sympathisch bin oder ob sie sich vorstellen können, sich mir gegenüber zu öffnen. Dann höre ich zu, was die beiden zu erzählen haben. Wenn sie sich dann dazu entscheiden, mit mir zu arbeiten, habe ich einen 5-Stufen-Ansatz. Den gehen wir nach und nach durch. Nicht jedes Paar will wirklich an die Themen ran, manchmal ist es ja auch gar nicht einfach, sich mit emotionalen Themen auseinanderzusetzen. Manchmal weiß ich auch vorher nicht, wo das Paar dann tatsächlich landet und welches Paar den Weg bis zum Ende geht. Für mich ist es immer sehr rührend. Ich habe z. B. ein Paar, die seit Januar 2017 da sind, und die ganz entzückend sind, weil sie sich bemühen und „machen und tun“. Letztens haben sie sich weinend in den Armen gelegen – das hat mir so gut getan. Es ist wirklich ein wunderbarer Beruf!

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